Igel Sabrinus wurde mit zu wenig Gewicht gefunden.

Sabrinus: Wenn ein Igel Hilfe braucht

Seit etwa einer Woche achte ich bei meinen Wanderungen auf jedes Rascheln und meine Augen versuchen, das Gestrüpp am Wegrand zu durchdringen. Vielleicht finde ich ja dieses Mal einen Igel. Vielleicht habe ich …
Nein, Glück will ich es nicht nennen. Nicht für den Igel. Denn eigentlich müsste der längst Winterschlaf halten. Wenn ein Igel jetzt, im späten Herbst, tagsüber immer noch draußen rumstromert, ist er vermutlich zu klein und vor allem zu leicht, um den Winter allein zu überleben. Er braucht unsere Hilfe.

Ein Igel besucht die Redaktion

Neugierig betrachtet Igel Sabrinus seine Umwelt
Neugierig sieht sich Igel Sabrinus in der Redaktion um.

Meine neue Aufmerksamkeit in Sachen Igelrettung verdanke ich Sabrinus. Ich habe mich sofort in den Kleinen verliebt, als er mich bei der Zeitung besuchte, für die ich schreibe.
Gut, der Igelbesuch galt nicht wirklich mir und war auch reiner Zufall. Wir sind eine kleine Redaktion und ich sitze in einem Raum mit meinen Kolleginnen, bei denen Leser Kleinanzeigen aufgeben können.
Gerade war ich in einen Text vertieft, als ich plötzlich viele „ohhhs“ und „Wie niedlich!“ hörte. Meine Kolleginnen standen um einen Korb herum – und darin saß der süßeste kleine Igel, den ich jemals gesehen habe.

Was macht ein Igel im Einkaufskorb?

Natürlich wollte ich das sofort wissen und fragte Annelie Petersen nach der Geschichte ihres Igels.
Die kleine Stachelkugel Sabrinus gehört zu den im Herbst gefundenen, untergewichtigen Igeln, die ohne menschliche Hilfe nicht überleben würden.

Annelie Petersen und der von ihr gerettete Igel Sabrinus
Annelie Petersen und der inzwischen wohlgenährte Igel Sabrinus

Vier Igel hat Annelie Petersen in diesem Winter in ihrer Obhut und sie kam gerade mit ihnen vom Tierarzt.
Sabrinus, so erzählte die erfahrene Igel-Pflegerin, ist der neugierigste von ihnen. Nichts hält ihn lange in seinem Korb. Während also die anderen Igel brav im Auto warteten, musste sie Sabrinus sicherheitshalber mit in die Redaktion nehmen.
Zum Glück für mich, denn so konnte ich Annelie Petersen eine Frage stellen, die mich schon lange beschäftigt:

Wann braucht ein Igel Hilfe?

Eine Igelmutter versorgt ihre Jungen nur sechs Wochen lang. Dann bringt sie die Kleinen so weit weg von ihrem Unterschlupf, dass sie nicht mehr zurück finden. Von nun an ist der Nachwuchs auf sich allein gestellt.
Da Igeljunge bei uns im Norden aber oft sehr spät geboren werden, haben viele von ihnen im Herbst noch zu wenig Gewicht, um über den Winter zu kommen.

Trifft man in der Dämmerung auf Igel, besteht meist kein Grund zur Besorgnis. Sie müssen sich nur noch ein paar Reserven für den Winterschlaf anfuttern. Sind sie aber tagsüber unterwegs und dazu noch sehr klein (unter 300 Gramm), dann werden die Igel ohne unsere Hilfe nicht überleben.
„Ein untergewichtiger Igel“, erklärte mir Annelie Petersen, „stirbst nicht einfach im Schlaf. Er würde aufwachen und jämmerlich verhungern.“

Eine schreckliche Vorstellung. Deshalb: Bitte, geht nicht einfach an hilfsbedürftigen Igeln vorbei und denkt, dass die Natur das schon alleine regeln wird.

Wie kann ich einem Igel helfen?

Selbstverständlich fragte ich auch das Annelie Petersen. Denn um ehrlich zu sein, war ich absolut unsicher, was genau zu tun ist. Keine Milch geben – das weiß vermutlich jeder. Was aber darf gefüttert werden?

Es gibt spezielles Igeltrockenfutter. Nur wer hat das schon im Haus? Katzen- und Hundefeuchtfutter sind eine gute erste Alternative, dazu ein Schälchen Wasser.
„Auch Avocados eignen sich“, weiß Annelie Petersen. „wegen des hohen Anteils an gesunden Fetten.“

Futter allein genügt jedoch nicht. Ein unterkühlter Igel (sein Bauch ist kälter als Eure Hand) muss gewärmt werden. Dazu kann man gut eine handwarmen Wärmflasche verwenden.

Keine Alleingänge! Bei Igelrettung Experten fragen

Und dann sollte der Igel natürlich zum Tierarzt oder zu einer Igel- beziehungsweise Wildtierstation. Logisch! Denn wer weiß, ob ihm wirklich nur Nahrung fehlt?
„Sabrinus zum Beispiel hatte einen Bandwurm“, erzählte Annelie Petersen und strich ihm dabei liebevoll über die erstaunlich weichen Stacheln. „Ich hätte ihn füttern können, so viel ich will – er hätte nicht zugenommen.“
Überhaupt sind innere und äußere Parasiten ein Problem bei Igeln, um das sich fachkundig gekümmert werden muss.

Aber nicht nur dabei können Tierärzte und Igel-Experten helfen. Sie sind auch die richtigen Ansprechpartner, wenn es um die Frage geht, ob man den Igel selbst pflegt oder besser abgibt.
Im ersten Fall beraten sie oder vermitteln den Igel im zweiten Fall an Leute wie Annelie Petersen.

Allein hätte dieser junge Igel den Winter nicht überlebt.
Ohne Hilfe hätte Igel Sabrinus den Winter nicht überlebt.

Und im Frühling heißt es dann: Abschied nehmen

Sabrinus kuschelte sich an den flauschigen Pullover seiner Retterin. Die beiden verstehen sich, keine Frage. Aber ein Igel ist ein Wildtier und gehört zurück in die Natur. Deshalb heißt es im Frühling für die beiden: Abschied  nehmen.
„Nach den Eisheiligen bringe ich ihn an ein schönes Plätzchen. Möglichst ungefährlich für Igel, weit weg vom Verkehr“, versicherte mir Annelie Petersen.

Zu fragen, ob sie dann traurig sein wird, verkniff ich mir. Ich hatte Sabrinus nicht einmal eine ganze Stunde erlebt und war so entzückt von dem süßen, kleinen Stachelknäul, dass es mir schwer fiel, ihn wieder gehen zu lassen.

Seit der Begegnung mit ihm achte ich bei meinen Wanderungen auf Igel. Ich wünsche mir nicht, einen zu finden. Lieber ist mir, sie halten wohlgenährt und sicher Winterschlaf.
Sollte mir aber ein Igel in Not begegnen, dann werde ich ihm helfen. Dank Annelie Petersen und Sabrinus weiß ich nun ja auch wie.

Mehr Infos über Igelhilfe und eine Erste-Hilfe-Checkliste findet Ihr hier: Igelschutz-Interessengemeinschaft e.V. 

14 Gedanken zu „Sabrinus: Wenn ein Igel Hilfe braucht“

  1. Wir hatten vor Jahren bei uns im Garten einen Igel der sich in das Laub kuschelte. und den man abends auch ab und zu zu Gesicht bekam. Heutzutage passiert das nicht mehr so oft :/

    1. Deshalb ist es auch wichtig, nicht das ganze Laub wegzufegen. Igel und andere Tiere finden dort Schutz.
      Leider hat sich das noch nicht überall rumgesprochen. Oder es ist den Leuten egal. Jedenfalls sehe ich sehr viele pikobello gefegte Gärten. Sieht ja gut aus. Aber im Sinne des Tierschutzes ist das nicht.

  2. Igel sind wahrhaft possierlich. Ich kann gut nachvollziehen, wie traurig die Trennung von einem Tier ist, das man so lange gepflegt und gehegt hat.
    Gerade wenn Kinder mit im Spiel sind, kann der Abschied herzzerreißend werden. Am besten ist deshalb vermutlich das Tier in die Obhut von Profis zu geben.

  3. Das Alter ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Ein „Haustier“ ist, meines Erachtens, aus dem Grund besser, weil man sich davon nicht so schnell trennen muss, wenn man es erst ins Herz geschlossen hat.

    1. Es ist auf jeden Fall leichter. Bei einem Wildtier muss das Kind akzeptieren, dass es eben KEIN Haustier ist, dass es ganz andere Bedürfnisse hat und die über den eigenen stehen.
      Für kleine Kinder ist das schwierig, für größere kann es aber auch eine sehr wichtige Lektion in Sachen Naturschutz sein.

  4. Hallo,
    super Beitrag und sehr hilfreich! Ich finde es immer wieder rührend zu sehen, dass man sich so gut um die kleinen Stachler kümmert, so sollte es auch sein. Großen Respekt für eure kleine Rettungsaktion :-)
    Ps: Schaut euch mal die Langohrigel an, leider nicht bei uns heimisch aber.. Sehr süß!

  5. Vielen Dank für den Artikel.

    Es ist schön, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird, wie viel Freude man mit Tieren erleben kann. Allzu viel Wildlife gibt es ja bei unserer dicht besiedelten Umwelt nicht mehr. Man könnte natürlich im Winter auch ein Futterhäuschen aufstellen und damit die Vogelwelt etwas näher kennen lernen.

    Wenn man allerdings etwas größere Tiere sehen möchte, dann ist entweder ein Zoo mit Wildtieren die Alternative, oder auch unsere Nachbarn. Entweder Richtung Ost der bayrische Wald oder Richtung West die Vogesen.

    Die Vogesen haben weite und menschenleere Wälder, sodass die Wildtiere nicht die gleiche Scheu zeigen, wie bei uns. Die Beobachtungsdauer steigt daher deutlich an, bis eben das Tier auch hier von dannen zieht. Wir haben einen Hirsch aus nächster Nähe einmal 15 Minuten beobachten können. Zudem kommen auch Freunde von Wildblumen auf ihre Kosten.

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