zwei Hexen an Halloween

Der wahre Horror an Halloween

zwei ausgehöhlte Halloween Kürbisse
Zwei ausgehöhlte Kürbisse zu Halloween. Nun „nur noch“ schnitzen und … anzünden …

Der Plan war simpel: Rita besucht mich, wir schnitzen zwei Halloween-Kürbisse, ich interviewe sie dabei über ihre Trekkingtouren und dann zünden wir einen der Kürbisse an.
Also nicht nur eine Kerze darin. Nein! Der ganze Kürbis sollte brennen. So richtig abfackeln.

Mit einer meterhohen Stichflamme – flüsterte mir meine innere, sensations- und abenteuerlustige Stimme zu.

Du spinnst wohl! – fuhr ihr jedoch gleich darauf mein rational denkender Teil über den imaginären Mund und stampfte das bevorstehende Flammeninferno auf ein balkonverträgliches Maß ein. Schlimm genug, dass er solchen Unfug überhaupt zulassen musste. Was, wenn die Markise Feuer fängt? Das Ganze könnte ziemlich teuer werden.

Blogparde "Kürbis & Flammen"
Blogparde „Kürbis & Flammen“ auf www.akerlin.de

Doch: „Wat mut dat mut“ – wie wir Norddeutschen zu sagen pflegen. Denn Feuer gehört zur Halloween-Blogparade „Kürbis & Flammen“ von Arne (www.akerlin.de) nun mal dazu. Eine kleine Kerze reicht da einfach nicht aus.
Und dass „los-runter-von-der-couch.de“ daran teilnimmt, darin waren sich meine beiden inneren Kontrahenten ausnahmsweise mal einig.

Kein Schlachtplan übersteht den ersten Schuss

Feste Pläne und alte Freundschaften passen einfach nicht zusammen. Als ich Rita zur Begrüßung umarmte, rutschte das Kürbisinferno gedanklich erst einmal in ganz, ganz weite Ferne.

Rita schnitzt einen Halloween Kürbis
Rita schnitzt einen Halloween Kürbis und erzählt dabei von ihren Trekkingtouren.

Rita ist eine meiner besten Freundinnen, noch aus Studienzeiten. Mittlerweile sehen wir uns nur noch selten – aber wenn, dann braucht es nur wenige Worte und die alte Vertrautheit ist wieder da.
Klar, dass es da erst mal viel zu erzählen gab. Auch und gerade über unsere Wanderungen.
Aber ein wirkliches Interview war das nicht. In der Wiedersehensfreude ging mir jegliche journalistische Disziplin verloren und ehrlich gesagt sah ich auch überhaupt keinen Grund, meinem privaten Wissensdurst den Blogger-Filter überzustülpen. Also beschloss ich, Blogparaden-Beitrag und Interview zu trennen und zweites auf ein vages „Später“ zu verschieben.

Immerhin sammelte ich im Hinterkopf einige interessante Schlüsselworte. „Bärenkanister“ zum Beispiel. Für mich kaum vorstellbar, allein (!) in einer Gegend unterwegs zu sein, in der ich jegliche Nahrung und alles Duftende luftdicht in einem Kanister verschließen muss, um nachts nicht ungebetenen Besuch im irgendwo in der Wildnis aufgestellten Zelt zu bekommen.
Sie hätte aber kaum Angst gehabt, sagte Rita. Na toll!

(An dieser Stelle meldete sich meine innere Stimme: „Das müssen wir unbedingt auch mal machen!“ Manchmal frage ich mich echt, ob die wirklich zu mir gehört.)

Hilfe! Wir brauchen ein Foto

Halloween Kürbis schnitzen
Nach dem Aushöhlen kam das Schnitzen der Kürbisse an die Reihe und Rita hatte sich dabei eine besonders filigrane Aufgabe gestellt.

Während wir so redeten, nahmen unsere Kürbisköpfe langsam an Inhalt ab und Gestalt an.
Plötzlich fiel uns ein:
Wir brauchen Fotos für die Blogparade. Schließlich schaben wir hier nicht nur so zum Spaß eine Schicht nach der anderen aus unseren Kübissen.
Mühsam übrigens.
Es ist ein verdammter Schweinskrams und eine irre Plackerei und ich wusste wieder, warum ich mich in all den vergangenen Jahren davor gedrückt hatte.

Fotos also. Solange ich hinter der Kamera stand, war alles gut. Ich bin nun nicht die begnadetste Fotografin – aber so lange sich mein Motiv nicht bewegt, bekomme ich doch den einen oder anderen passablen Schnappschuss hin.
Dummerweise mussten jedoch auch Rita und ich irgendwie auf ein paar Bilder. Und so begann der wahre Horror an Halloween.

Halloween-Fotosession mit Kürbissen
Der wahre Horror zu Halloween: fotografiert werden. (NEIN, das sieht jetzt GAR NICHT gestellt aus … ^^)

Man stelle sich vor: Zwei Frauen über 40, von denen eine – natürlich ich – zwar nicht eitel, aber eben auch nicht souverän genug ist, ein Doppelkinn, hängende Mundwinkel (so was macht alt! ^^) oder einen dämlichen Gesichtsausdruck auf einem Foto mit einem Schulterzucken abzutun. Nein, verdammt, die Bilder sollten schon einigermaßen vernünftig aussehen.

„Zeig mal her! Toll, da schaue ich grad mal nicht gekünstelt. Aber halt, die Hand ist verwackelt. Wir dürfen uns nicht bewegen, das schafft die Kamera bei dem schlechten Licht nicht.“

Halloween Kürbisse
Neben dem ganzen Stress, selbst fotografiert zu werden, war es eine wahre Wohltat, nach getaner Arbeit die fertigen Kürbisse aufs Bild zu bannen. Ist der von Rita (links) nicht wunderschön?

Versucht mal, in einer Pose zu verharren und dabei noch natürlich zu wirken, wenn der Frust von Foto zu Foto steigt!
Ich fluchte innerlich so unflätig, dass selbst die dem Totenreich entstiegenen Halloween-Geister rote Ohren bekommen hätten. Und ich bewunderte Rita für ihren Gleichmut, mit dem sie immer weiter lächelte.
Wobei … wer „kaum Angst“ in der Wildnis hat, den kann wohl auch keine Halloween-Horror-Fotosession schrecken …

„Goodbye, Mr. Kürbis“ – und Feuer frei!

Tage später. Rita war längst wieder zu Hause und die Kürbisse vertrockneten langsam vor sich hin. An Halloween hatte ich keine Nerven mehr für das Feuerspektakel.

Wie gesagt: Kein Schlachtplan übersteht den ersten Schuss.
Zuerst das verschobene Interview (wird aber nachgeholt, versprochen!) und dann keine brennenden Kürbisse.
Dafür leckere Kürbissuppe und am nächsten Tag einen Pumpkin Spiced Latte.
Insgesamt ein wundervolles Wochenende – gerade weil ich NICHT an meinem Plan festhielt.

Blogparade "Kürbis & Flammen": alles bereit zum flammenden Inferno.
Da fehlt etwas bei den Anwendungsgebieten auf dem Bioethanol-Kanister: Flammentod für Kürbisse … ^^

Eins aber war noch offen. Die Blogparade heißt „Kürbis & Flammen“ und so führte kein Weg daran vorbei: Mr. Kürbis musste sterben.
Und so traurig, wie beide mittlerweile schon aussahen, hatte ich dabei nicht mal ein schlechtes Gewissen. Das war ein Gnadentod!

brennender Halloween Kürbis
Sein Freund schaut zwar ganz grimmig, aber so mitgenommen der arme Kürbis aussieht, war das keine Grausamkeit, sondern ein Gnadentod.

Man nehme also einen Grill, stelle den Kürbis hinein, gieße einen Schluck Bioethanol in ihn und – wuschhhhh – zünde ihn an.

Die Flamme ist viel zu klein – maulte meine innere, sensations- und abenteuerlustige Stimme.

Aber die Markise! – warnte mein rational denkender Teil.

Und ich?

Ich hielt einfach die Kamera auf Kürbis und Flammen und freute mich, dieses mal dahinter zu stehen.

(Das Video vom brennenden Mr. Gruselkopf findet Ihr hier:
Feuer frei!)

Ihr wollt noch mehr brennende Kürbisse?

Hier die weiteren Beiträge zur „Kürbis & Flammen“-Blogparade:

Blogparaden-Initiator Arne (akerlin.de):
„Feuer frei! Mein Halloween-Kürbis in Flammen“ 

Mit-Initiatorin Sarah (labellevue.de):
„KÜRBIS ON FIRE“

Kathi Keinstein (keinsteins-kiste.ch):
„Kürbis und Kaltes Feuer – 3 mal gespenstisches Licht zu Halloween“

Kathi (küchensachen.blog):
„Gruselkürbisse für Halloween + Grundrezept für Kürbispüree“

Verena (verenas-welt.com):
„MEIN HALLOWEEN-KÜRBIS“ 

Bee (myeverydaylife.de):
„Halloween – Kürbis und Flammen“

Timm (netzblogger.net):
„Kürbis in Flammen zu Halloween“ 

12 Gedanken zu „Der wahre Horror an Halloween“

  1. Den Spruch

    „Kein Schlachtplan übersteht den ersten Schuss.“

    muss ich mir unbedingt merken. Der ist ja Gold wert!

    Sehr gut, dass Du nicht an Deinem ursprünglichen Plan festgehalten hast und es so gekommen ist, wie es gekommen ist.
    Und Hut ab vor der Zündelei, denn Ethanol auf dem Balkon hätte ich mich nicht getraut… Der Erfolg gibt dir aber recht! Die geschnitzten Kürbisse sehen beide super aus und das Feuer sowieso!

    1. Hallo Arne,
      wir machen oft ein Bioethanol-Feuerchen auf dem Balkon. Normalerweise aber nicht in Kürbissen, sondern in einer Metallschale auf einem nichtbrennbaren Untersetzer.
      Dabei haben wir uns vorsichtig an die Menge Ethanol herangetastet, die es für eine schöne, aber ungefährliche Flammenhöhe braucht. Die nötige Erfahrung fürs Zündeln hatte ich also und mit dem Kürbis im Grill konnte nichts mehr schief gehen. Es sieht also gefährlicher aus als es war.
      LG Liane

  2. Hallo?
    Wer hat ein Doppelkinn und hängende Mundwinkel?
    Es war so schön, Deinen Artikel zu lesen. Ich wäre froh, wenn ich so schreiben könnte. 😉

    Das mit den Plänen kann ich nachvollziehen. Wenn ich immer auf meine Vorhaben beharren würde und merkte, das sich diese nicht durchführen lassen, dann würde ich nur verkrampfen und der ganze Spaß ist dahin.
    So lange ich mir dann vor Augen halte, das der Moment zählt und sich manche Vorhaben auch später durchführen lassen, dann wird alles gut.

    Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, bei dieser Blogparade mitzumachen und neue Menschen kennenzulernen.
    LG Timm

    1. Hallo Timm,
      das war ja das Nervige an der Fotosession: am Ende wenigstens ein paar Fotos zu bekommen, die NICHT schrecklich aussehen. Und glaub mir, es gab genug andere. Aber die bleiben fein auf der Speicherkarte und kommen nicht in den Blog.^^
      Es freut mich, dass Dir die Geschichte gefallen hat. Ich schreibe ja beruflich – dabei aber nur selten Texte, die mir so viel Spaß machen wie hier beim Bloggen und vor allem bei diesem Artikel. Da konnte ich meiner Kreativität mal so richtig Zucker geben …
      LG Liane

  3. Wirklich wundervoll :-) Die beiden Kürbisse sehen richtig toll aus! Das ist Kunst :-) Das Foto von Euch ist toll und ich weiß, wie schwierig solche Fotos sind :-) Uns ist die Hälfte des Kürbisinnenlebens um die Ohren geflogen, weil ich mich zu grobmotorisch angestellt habe. Ein Hoch auf abwaschbare Jacken^^ Da gab es dann kein Foto mehr.

    Bioethanol auf dem Balkon hätte ich mich allerdings auch nicht getraut. Da ist zwar nichts darüber, was brennen kann, aber so schnell wie meine Nachbarn hier die Feuerwehr gerufen hätten, hätte ich das nicht gelöscht bekommen 😉

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah,
      danke für das Kompliment. Dann hat sich die Mühe ja gelohnt. Sowohl mit den Kürbissen als auch mit den Fotos. :-)
      Ich hoffe, dass Ihr Euer „Kürbisgeschmadder“ mit Humor nehmen konntet. Klingt jedenfalls nach einer Menge Spaß.
      Oder nach ner Menge Frust. Je nach Einstellung.
      Aber bei Dir habe ich irgendwie das Gefühl, dass Du Dich von so was nicht ärgern lässt.
      Das mit dem Bioethanol ist echt nicht so gefährlich, wie es aussieht. Vorausgesetzt natürlich, man weiß, wie viel man verwenden darf. Ich habe ja nur einen sehr kleinen Schluck in den Kürbis gegeben. Das Risiko mit Nachbarn und Feuerwehr wäre ich nämlich auch nicht eingegangen.
      Liebe Grüße!
      Liane

  4. Toll! Ich hab es nicht übers Herz gebracht, meinen Kürbis nach der Schnitzerei anzuzünden – obwohl ich die Idee an sich so cool fand 😀 Vielleicht mach ich nächstes Jahr zwei…

    1. Das kann ich bei deinem wunderschönen Kürbis auch gut verstehen, Verena.
      Auf jeden Fall freue ich mich, dass auch Du im nächsten Jahr wieder mit von der Party bist. LG Liane

  5. Ein schöner Beitrag, gut geschrieben und – wie ich finde, eine schöne Schnitzarbeit. Die Kürbisse sehen richtig super aus! Schade, dass die Kunstwerke nicht nur als Beleuchtung schön aussehen durften, sondern selbst als Leuchtfeuer enden mussten.

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